Zu lesen wenn gelangweilt bei Temperaturen im niederen Bereich (alles andere lässt eine Beschäftigung mit Texten über dem Niveau von Strandlektüre nicht zu, wobei ich mich hier frage, in wieweit dieser Text hier überhaupt das Niveau einer solchigen erreichen könnte).
Oder aber bei akutem Verlangen nach Sinnlosigkeiten und Anmaßungen, was das Lesen von langen, sich im Inhalt widersprechenden und von Unkenntnis leuchtenden Texten ohne Sinn an einem Monitor, der die Augen ins Unendliche strapaziert, anbelangt.
Mit der Mode ist es wie mit den meisten anderen Dingen, die lediglich die Oberfläche eines Horizonts beschäftigen (im besten Falle natürlich viel tiefer an die Substanz gehen): Sie ist da, in ihrer Mannigfaltigkeit, in ihrem Spektrum an Variationen von verschiedenen Looks und deren -beabsichtigten- Aussagen. Meist nutzt ein modeinteressierter Mensch die Kleidung dazu, sich selbst zu unterstreichen, sein Ich nach außen zu kehren (überwiegend selbstverständlich gebügelt und geglättet, man will ja gefallen, manchmal auch nicht, aber trotzdem immer mit einer gewissen Botschaft, vermittelt durch das dazugehörigen Sendebedürfnis des Trägers). Ein Großteil dieser Menschen braucht eine lange Zeit seines oder ihres Lebens, um seinen -oder ihren- äußeren Stil mit seinem Inneren miteinander zu vereinen, auf eine Ebene zu bringen, wie man sagt. Ein kleiner Teil besitzt die Gabe oder vielmehr das sensible Gespür, was Er (ja, oder Sie) zu tragen hat, als Seine (die Ihrige) Person gewissermaßen und ganz natürlich. Für diesen Teil ist es ein Leichtes, sich so zu präsentieren und dabei die Balance zu behalten zwischen dem Anspruch seines Selbstes und dem der Umwelt (sollte dies einen wichtigen Aspekt darstellen, wovon ich ausgehe, interessiert man sich denn für Mode und nicht ausschließlich um den Komfort oder um die Kleidung als solche, wobei diese doch auch immer als Mode betrachtet werden kann, wenn Mode doch als solche nicht nur der Masse vorbehalten ist). Ein weiterer, unglücklicher Teil, und zu diesem zähle ich mich, findet sich in dem Dilemma wieder, abertausende Persönlichkeiten zu besitzen, denen es gilt, auch im Äußeren gerecht zu werden, um nicht völlig in der Tristlosigkeit des Sich-Nicht-Ausdrücken-Könnens unterzugehen. Nun weiß man natürlich aus Erzählung oder gar aus eigener Erfahrung, dass es keine leichte Aufgabe ist, eine Vielzahl grundverschiedener Menschen in ihrem Verlangen nach Präsenz und Aufmerksamkeit zu befriedigen und schon gar nicht, wenn man diese Vielzahl von grundverschiedener Menschen in sich selbst wieder findet und wir wissen: Sich selbst behandelt man immer noch am Strengsten.
So stellt sich die Frage, wie diese schwere Aufgabe zu bewältigen sein könnte.
Durch Abwechslung? Sollte man jeden Tag einen anderen Teil seiner diversen Charaktere nach außenhin darstellen? Wenn man auf eine Charakteristik seiner eigenen Person mit dem einen Körper abzielt, so würde man mit dieser Methode wahrscheinlich nur erreichen, dass andere Leute nur das Markenzeichen der Wechselfreudigkeit erkennen würden, das könnte sich im schlimmsten Fall sogar negativ auf das (die) eigene(n) Ich(s) auswirken, genau so, dass die Leute denken könnten, man habe eben kein einziges Ich, sondern nur ein Wirrwarr genau dieser und ertrinke im Brei von Unsicherheit und das würde doch vollkommen mit der Persona kollidieren, die man manchmal im Leben halt doch braucht, weil jeder seine Rollen hat und manches Gegenüber etwas anderes nicht begreifen kann in seiner kleinen nach außen hin abgeriegelten Welt (wobei das Haben einer Persona doch eigentlich auch unabdingbar ist für ein Zusammenleben in einer Gesellschaft, zumindest denke ich mir das so, denn wer ist so tapfer und mutig, sich seinem Ich oder den Ichs vollständig zu widmen, in der Folge die Persona aufzugeben und somit vermutlich dem Einsamsein geweiht zu sein; wer schafft das, der Mensch als das zoon politikon, das Rudeltier schlechthin?). Also nicht versuchen, all seine Persönlichkeiten abwechselnd an den Tag zu bringen? Nun ja, besteht denn eine andere Möglichkeit?
Was gibt es denn sonst noch für Optionen? Alle Ichs auf einmal tragen? Unmöglich! Denke ich nur an zwei meiner achsoaberdutzenden alter egos (ich bleibe hier beim deutschen Plural, die Jahre des mäßigen Schullateins liegen ach so fern in der Vergangenheit), so kann ich nur energisch mit dem Kopf schütteln. So vielfältig ein Mensch sein kann, so kontrahär bin ich in meinen diversen Charakteren. Irgendwas beißt sich immer und so könnte ich es mir nicht vorstellen, meinen Körper in zwei (oder schlimmer: in mehrere Bereiche!) aufzuteilen und mich oben dem einen und unten dem anderen Ich zu widmen (links und rechts freilich auch noch, wir haben Platz, noch mehr, da ist noch ein Finger frei!). Ein Körper lässt sich nicht teilen, wahrlich, nein.
Sich der Gesellschaft unterzuordnen, seine Ichs (wer nur eins hat, bei Gott, der möge sich glücklich schätzen, sich nur mit einem rumschlagen zu müssen) zu unterdrücken, scheint mir die radikalste der drei Vorschläge zu sein. Radikal im Sinne von akut und kurzfristig wirkend, aber auf langer Sicht doch ermüdend, schadend und auf langer Sicht zerstörend. Zerstörend in der Weise als dass die Person von seinen unterdrückten Ichs ERdrückt wird, da sie allesamt nicht ausgelebt werden in einer Form, die in genügender Weise befriedigt.
Und so bleibt mir nur die Option der Abwechslung, mit der ich zwar Gefahr laufe, in meiner Gesellschaft mit einer auf reiner Oberflächlichkeit basierender (und die Mode neben vielem anderen ist doch nichts als die reine Oberflächlichkeit selbst) (Ver-)urteilung rechnen zu müssen.
Dafür kann ich allerdings all meinen unzählbaren Ichs gerecht werden, sie nach außen hin kehren, all ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie brauchen, um mich nicht zu erdrücken. Ich habe nun mal nicht das Glück des Einen Egos, wie viele von uns, den (...) Mehrgesichtigen (ach, wär das doch jetzt ein Film!).
Schlimm muss das zwangsläufig nicht sein, denn wer sein Schicksal als Multiple- Persönlichkeiten-Innehabender akzeptieren, ja gar lieben lernen kann, der kann durchaus Spaß haben, sich seinen Ichs zu ergeben, mit ihnen zu spielen und sie bei Gott nicht zu ernst zu nehmen.
Sprach’s und schlüpfte von der einen in die andere Identität, ohne je sein (...ihr!) Gesicht zu verlieren. Nicht heute und auch in ferner Zukunft nicht.
Eines meiner Ichs liebt Diamanten. Ein anderes wiederrum hasst alles,
was mit Aristokratie zu tun hat, liebt dafür aber die Berge und Marc Jacobs.

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