Sonntag -die Zeit des Sinnierens (oder der Selbstmorde), vorallem in weichenstellenden Zeiten wie den meinen! Am 19.6. ist meine Karriere als Schüler nach 13-jähriger Laufbahn zuende und mir fehlt noch immer das ferne (und gleichzeitig bitte möglichst konkrete Lebens-)Ziel, das sich jeder stecken sollte, und wenn es denn einzurichten ist (was vorausgesetzt wird), schon in Klasse 11.
Diverse Berufswahltests bescheinigen mir immer wieder kreatives Talent, das ich doch bitte als Choreographin umsetzen soll (auch wenn ich allgemein Dinge nur mäßig bis unzureichend erklären kann und koordinierte Abläufe schon gar nicht), und stellen mir Fragen der Art "Inwiefern interessieren Sie sich für die Prüfung atomarer Grundlagen von radioaktiver Strahlung?" (meine Antwort: "Gar nicht."). Weitere Berufsvorschläge: Bühnen- und Kostümbildnerin, sowie Designer (Grafik und Medien ), Innenarchitektin oder Tonmeisterin, Kommunikationswissenschaftlerin und, Achtung: Restauratorin -alles Vorschläge mit dem Hintergrund, dass ich vollkommenes Desinteresse bei chemischen und/oder biologischen Berufen gezeigt habe (ich wollte ein möglich realistisches Ergebnis erhalten und bitte kein Saatgut genetisch optimieren -auch nicht in weiter Zukunft und auch nicht in einem anderen Leben). Solche Tests mache ich im Übrigen auch gerne zwei- oder dreimal, einfach aufgrund von Panikanfällen, die mich gelegentlich überkommen, wenn ich an den Abiturzeugnisausgabetag denke (Freitag).
Zu der unüberschaubaren Vielzahl an Berufs-und Studienmöglichkeiten gesellen sich im Regelfall noch zusätzlich die zwei Menschen, die dich in diese grausame Welt geholt haben ("Und, was machst du jetzt, hast du dich endlich entschieden?") und deine überaus ambitionierten AbiturkollegInnen ("1,0-Durchschnitt, selbst wenn ich 0 Punkte im Mündlichen spreche..." und überhaupt: "Jura", "BWL", "Medizin"), sowie der Studienführer, der sich komischerweise immer dort befindet, wo du dich gerade entspannen willst.
Vor einem Jahr habe ich mich schon einmal über meine Misere ausgelassen, in der Hoffnung, 12 Monate später schlauer zu sein (Fehlanzeige). Die Zeit rinnt nur so davon (in einer Woche bin ich offiziell arbeitslos und wann sind die Anmeldefristen für die Unis abgelaufen? Juli? Juli!).
Jetzt sitze ich da und muss wohl doch auf meine Notlösung zurückgreifen, nämlich das Clown-Studium in Mainz (sorry, aber das musste ich jetzt einfach bringen). Vielleicht nehme ich mir jetzt auch einfach ein Sabbatical und schreibe ein Buch (das ist doch der Traum jedes sich in der Midlife-Crisis befindenden 40jährigen!) oder ich werde doch Lehrerin (zusammen mit Anwalt mein Berufswunsch in der Grundschule und nicht etwa Astronaut oder Tierärztin, ich war ziemlich spießig, ich weiß) oder spirituelles Medium oder Fleischereifachverkäuferin ("Ich hätte ganz gerne mal von der Dicken, Groben..." usw.).

Foto: jetzt.sueddeutsche.de