Ich war letztens in einer Dorfdisko. Eineinhalb Stunden, bis ich zerstört und höchst irritiert den Großraumbunker mit einem befreienden Gefühl wieder verlassen konnte. Nicht, dass ich denke, ich sei besser oder sogar "cooler" (HAHA!) als die Menschen, die sich dort zu Aprés-Ski-Hits wohlig wiegen (oder schwanken -das kommt ganz auf den Alkoholpegel an). Nicht, dass ich es schlimm fände, dass sich diese Disse jetzt -total modisch-"Club" nennt und diesem Phänomen ca. 100 Jahre hinterherhinkt. Nicht, dass ich es verwerflich fände, wenn ein dümmlicher Partypixdigicamtyp meine Schwester beiseite zieht und sagt, ich sähe schon ziemlich fertig aus (ich war Fahrer, nur nebenbei und nein, ich hab halt keine frisierten Unisex-Glätteisen-Haare, sorry, echt, tut mir Leid!). Nicht, dass ich es ironisch fände, wenn der "DJ" fragt, ob er entweder Kommerz-House (seine Wortwahl) auflegen soll oder aber richtig gasgeben (hier Jubel der Weiße-Hosen-Dauerwelle-Trägerinnen) und dann Lady Gaga spielt (nznznznznzPOKERFACEnznznznz). Nein, sondern weil ich in etwa den vollkommenen Anti-Gast darstelle (zumindest hat es sich so mitten im Geschehen angefühlt). Optisch, geistig, physisch, psychisch -sucht euch was raus. Vielleicht bin ich auch alt. Obwohl, ja, mit 15 war das kurz mal okay, weil einzige Möglichkeit. Ansonsten fand ich's auch da schon kacke, wenn sich die Tussen die T-Shirts vom Leib reißten und laut "Fick mich!" riefen (man muss ja auch gehört werden bei diesen mit der Autobahn vergleichbaren Lautstärken) und sich sicher sein konnten, dass der nächste Adonis schon bereitsteht, um sie besoffen durchzueiern (auf dem verkotzten und verpissten Klo, weil nüchtern halten's dort nur wenige aus). Aber genau aus diesen Gründen braucht jedes Kuhkaff, jede Stadt und auch jede Metropole solch einen Ort der Freude. Jauchzend stoßen wir also die Flatrate-Plastikbecher zusammen und erfreuen uns am Fehlen des Geschmacks.
Und seien wir mal ehrlich: Wer braucht den schon, wenn man doch Schlagerhits hat und mit 5 Litern Billigvodka im Blut zu Lady Gaga vögelt. Großraum, versteht sich.